Home Praxis Behandlungsmethoden Tipps Presse Kontakt Links
 

Pressespiegel

Wundheilung mit Maden und Blutegeln

Die Tierchen saugen abgestorbenes Zellgewebe auf - Behandlung schon bei Indianern bekannt

SCHORNDORF. Man kann sich kaum etwas Ekligeres vorstellen, als Maden, die in einer Wunde herumwuseln. Dass diese Tiere aber auch Gutes bewirken, nämlich die Wundheilung fördern, macht sich Karla Moser zunutze und setzt sie zur Therapie ein.

Von Gabriela Uhde

Karla Moser schreckt vor nichts zurück. Vor Jahren war sie eine der Ersten in Deutschland, die die durchblutungsfördernde Wirkung von Blutegeln zu Therapiezwecken einsetzte. Dieser Tage ergänzte sie: "Wir haben jetzt auch Maden in unserem Programm." Beide Tierarten sind beim Durchschnittsbürger in der Regel mit Ekel verbunden, während sie in Fachkreisen wegen ihrer heilsamen Wirkung zunehmend geschätzt werden.

Ganz konkret, erklärt Karla Moser, gehe es um die Maden der Lucilia sericata, gemeinhin als Schmeißfliege bekannt. Diese gold- oder grünschimmernde Fliege lebt etwa 45 Tage lang und legt in dieser Zeit bis zu 15 mal Eier ab, aus denen sich erst Maden, dann Puppen und anschließend neue Fliegen entwickeln. Zwischen 100 und 200 Eiern umfasst so ein Geschmeiß, am gefräßigsten sind sie im Madenstadium. Da sondern sie ein Sekret ab, das die Eigenschaft hat, abgestorbenes Fleisch zu verflüssigen, vom dem sie sich ernähren.

Es sei also nicht so, dass die Maden das abgestorbene Zellgewebe fressen, vielmehr trinken sie es, saugen es in verflüssigter Form auf. Dies vereinfache auch die Behandlung. Die Maden sind nämlich in einer Art Gaze-Verband eingeschlossen, der aber durchlässig für die Ernährungsflüssigkeit ist und einfach auf die Wunde aufgelegt wird. "Die Leute sehen die Maden noch nicht einmal," beruhigt die Naturheilpraktikerin. Allenfalls spüre der Patient, "dass es leicht bitzelt." Das liege daran, dass die Tiere kleine Borsten haben, die spürbar werden, wenn sie sich bewegen. "Aber das ist alles nur ganz wenig", beugt Moser Ängsten vor. Die voll gefressene Made habe etwa die Größe eines Reiskorns, vorher sei sie keine zwei Millimeter lang.

Die Wundbehandlung mit lebenden Fliegenmaden wurde schon vor Jahrtausenden praktiziert. Maya-Indianer hängten blutgetränkte Tücher in die Sonne, in der die Fliegen ihre Eier ablegten. Diese Tücher legten sie anschließend auf Wunden.

Heutzutage werden die Tiere in sterilen Labors gezüchtet und als apothekenpflichtiges Heilmittel vertrieben. Je nach Größe der Wunde kann man 50 bis 300 Stück erwerben. Allerdings nicht ganz billig: 130 Euro kosten hundert Stück. Zum Einsatz kommen die Tierchen bei allen schlecht heilenden Wunden, vor allem bei "offenen Beinen". Das Wundliegen im Krankenbett und der so genannte Diabetische Fuß sind die beiden weiteren Hauptindikationen.

Das größte Problem dieser Erkrankungen ist, dass die Wunden von einem Belag überzogen sind, der zum Großteil aus abgestorbenem Gewebe besteht. Erst wenn dieser beseitigt ist, kann die Wunde richtig abheilen.

"Die Vorstellung, man setzt die Maden rein und danach ist die Wunde zu, ist falsch", erklärt Karla Moser. Etwas Geduld müsse man schon aufbringen. Die Tiere könnten schließlich lediglich eine Vorarbeit leisten, anschließend beginne dann die eigentliche Wundbehandlung, "zum Beispiel mit Blutegeln", schlägt die Naturtherapeutin als "optimale Ergänzung" vor. Diese förderten die Durchblutung und damit den entscheidenden natürlichen Heilungsprozess.

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 01.07.2003

«« zurück

«« nach oben